Reisen in Zeiten von Corona

Von Rechtsanwältin Saskia Hennig

Reisen in Zeiten von Corona – Was wird aus dem geplanten Sommerurlaub?

  • Angst vor Ansteckung – Reisrücktrittsversicherung greift in diesem Fall nicht
  • Gutscheine als Ersatz ausgefallener Leistungen müssen nicht akzeptiert werden
  • Im Zweifel suchen Sie Kontakt zum Reiseveranstalter und vermitteln eine einvernehmliche Lösung

Reisewarnung

Die Bundesregierung hat die weltweite Reisewarnung aufgrund der Corona-Pandemie bis zum 14. Juni 2020 verlängert. Doch was wird bis dahin aus der geplanten Reise? Bekomme ich mein Geld wieder und kann ich Reisen noch kostenfrei stornieren? Wann muss die Reisrücktrittsversicherung einspringen?
Fragen über Fragen, die nicht so leicht zu klären sind, da es zum Teil noch keine Rechtsprechung zu den Einzelnen Fragen gibt. Trotzdem versuche ich in meinem Artikel die wichtigsten Grundsätze aufzuzählen, in der Hoffnung, dass wir alle bald wieder ungestört Reisen können.
Wichtig ist zunächst, dass die Reiserücktrittsversicherung nur dann greift, wenn die gebuchte Reise aus einem versicherten Grund nicht angetreten werden kann. Das ist z. Bsp. dann der Fall, wenn einer der Reisenden unerwartet schwer erkrankt.
Erforderlich ist hierbei die Vorlage eines ärztlichen Attests. In diesem Fall werden die vertraglich geschuldeten Stornokosten übernommen, wenn die Reisrücktrittsversicherung schon vor der Erkrankung abgeschlossen war. Im Falle des Abbruchs einer Reise aus einem der genannten Gründe übernimmt die Reiseabbruchsversicherung im Rahmen der Reisrücktrittsversicherung die anfallenden Mehrkosten, z. Bsp. die Umbuchung.
Zu beachten ist, dass viele Klauseln in Versicherungen enthalten, dass die Krankheiten, die von der WHO als Pandemie eingestuft werden (so auch Covid-19 am 11. März 2020), vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind. Das bedeutet, dass eine Erkrankung an Corona nach dem 11. März 2020 kein versicherter Rücktrittsgrund
gegeben ist.
Auch ist die individuelle Angst vor einer Ansteckung kein Grund, für den die Versicherung einspringt. Zudem gilt eine (Teil-)Reisewarnung in der Reisrücktrittsversicherung nicht als versichertes Ereignis. Entsprechendes gilt für das Einreiseverbot bestimmter Nationalitäten.
Bietet Ihnen Ihr Reisveranstalter einen Gutschein an, sind Sie rechtlich nicht dazu verpflichtet, diesen zu akzeptieren. Nach der EU-Kommission haben Sie ein Wahlrecht, ob Sie das Geld oder den Gutschein wollen. Beachten Sie bei der Wahl des Gutscheins, dass Sie die Risiken einer Insolvenz des Veranstalters tragen.
Bei Großveranstaltungen gilt folgendes: Zunächst ist jede Großveranstaltung generell bis zum 31. August 2020 untersagt. Grundsätzlich haben Sie einen Anspruch auf Rückerstattung des Ticketpreises, jedoch nicht für die Kosten des dafür separat gebuchten Hotels oder der Anreise. Allerdings ist aktuell noch die Gutscheinlösung als Ersatz von Tickets in Verhandlungen. Es bleibt abzuwarten, wie der Bundestag beraten wird.

Pauschalreisen

Bei Pauschalreisen, die unmittelbar bevorstehen, ist die kostenfreie Stornierung sowohl vom Veranstalter, als auch vom Reisenden möglich, wenn die Anreise oder Durchführung durch unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände erheblich beeinträchtigt wird. Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt dabei als starkes Indiz für das Vorliegen außergewöhnlicher Umstände. Diese Reisewarnung gilt zunächst bis zum 14. Juni 2020. Zu beachten ist, dass bei Absagen durch den Veranstalter Schadenersatzansprüche wegen entgangener Urlaubsfreuden nicht in Betracht kommen, wenn unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vorliegen, die der Veranstalter nicht zu vertreten hat.
Ein kostenfreier Rücktritt ist auch immer dann möglich, wenn ein wesentlicher Teil der Pauschalreiseleistung nicht stattfindet, z. Bsp. zentrale Sehenswürdigkeiten sind gesperrt. Entsprechendes gilt, wenn der Reisende bei seiner Einreise zunächst 14 Tage in Quarantäne muss. Bei Kreuzfahrten gelten die Regeln für Pauschalreisen.
Bei Individualreisen kann der Urlauber seine getätigten Anzahlungen zurückfordern, wenn der Anbieter die Leistung, z. Bsp. den Flug oder die Übernachtung, absagt. Der Reisende kann von sich aus nur dann kostenfrei stornieren, wenn die Einzelleistung nicht erfüllt werden kann. Das ist z. Bsp. dann gegeben, wenn die Behörden für die Region ein generelles Einreiseverbot ausgesprochen haben, oder der Flughafen nicht angeflogen werden kann. Zu beachten ist, dass eine Reise vor Angst vor Ansteckung nicht angetreten werden möchte, die Individualleistungen jedoch erbracht werden, kann der jeweilige Leistungsträger Stornokosten verlangen.

Flugreisen

Bei Flugreisen steht es jedem Gast grundsätzlich frei, den gebuchten Flug jederzeit zu stornieren. Ob im Fall einer drohenden Quarantäne ein kostenfreies Rücktrittsrecht des Fluggastes besteht, ist rechtlich nicht geklärt. Daher empfiehlt es sich mit der Fluggastgesellschaft eine einvernehmliche Lösung zu suchen. Hingegen können Fluggäste den Ticketpreis zurückverlangen, wenn die Airline Flüge aufgrund außergewöhnlicher Umstände absagt. Findet eine Rückreise nicht wie geplant statt, muss der Reiseveranstalter die Mehrkosten für den verlängerten Aufenthalt für bis zu drei Tage übernehmen. Was darüber hinausgeht, muss der Reisende selbst tragen, wenn die Kosten nicht von einem anderen Institut übernommen werden. Das kann dann der Fall sein, wenn Reisenden am Urlaubsort unter Quarantäne gestellt werden.
Bahnunternehmen können sich nicht auf „höhere Gewalt“ berufen. Die Fahrgastrechte bei Verspätungen oder Zugausfällen gelten auch bei außergewöhnlichen Umständen.
Im Ergebnis lohnt es sich immer erst einmal mit dem jeweiligen Veranstalter in einen Dialog einzutreten, um eine sachgerechte Lösung zu finden. Diesen Sommer bleibt es wohl nicht aus, den einen oder anderen Urlaub abzusagen. Mit diesen Informationen wissen Sie jetzt wenigstens, wann Sie Ihr Geld zurückverlangen können und unter welchen Voraussetzungen eine Stornierung in Betracht kommt.

Bleiben Sie gesund!